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Behandlungsverlauf Jede Behandlung beginnt mit einer EMG-Messung, wobei mittels Oberflächenelektroden die Muskelpotentiale der zu behandelnden Muskulatur gemessen werden. Dies wird in µV angezeigt und bei dem PeR-Y-Rehabilator® ab 0,1 µV(microvolt) registriert. So können auch geringste Eigenbewegungen erfaßt und genutzt werden. Hierzu wird das Gerät auf den Patienten geeicht, so daß bei seiner geringsten Bewegung eine Messung vorgenommen wird. Die Meßelektrodenlage ist variabel und richtet sich nach den zu erwartenden willkürlichen Bewegungen des Patienten. Nachfolgend wird in der Stimulationsphase die Reizelektrodenlage, Reizdauer, sowie die Frequenz und Impulsbreite festgelegt. Letztere sind vom Gerät mit 80 Hz im Frequenz-bereich und 300 µs Impulsbreite vorgegeben, können jeweils wahlweise von 10 - 100 Hz und 300 oder 1000 µs Impulsbreite verändert werden. Sie richtet sich nach dem Ziel der jeweiligen Therapieeinheit. Zu Behandlungsbeginn liegt die Reizdauer meist bei 10 Sek., somit hat der Patient 10 Sek. Zeit, die Bewegung zu sehen und zu spüren. Da er über visuelle und taktile Reize Bewegungen neu erlernt, wählt man hier die längstmögliche Reizdauer. Kann der Patient später Bewegungen unter dem Stimulationsstrom schon mithalten, beträgt die Reizdauer oftmals 5 Sek., um ihn nicht zu überfordern. Bei Patienten mit ataktischen Störungen oder vom Krankheitsbild schon sehr verbessert, dann 1-2 Sek., um die Schnelligkeit und Flexibilität von Bewegungen zu trainieren. Generell bei allen Bewegungen übt der Patient mit der nicht betroffenen Seite mit, um die Koordination von rechter und linker Körperhälfte zu trainieren. Aus der im Vorfeld durchgeführten EMG-Messung errechnet sich der vom Thera- peuten eingestellte Schwellenwert. Er beträgt ca. 60 % des EMGs, da der Patient diesen Wert mehrmals erreicht. Weitere Gesichtspunkte für die Einstellung des Schwellenwertes: Die vom Patienten eingeleitete Bewegung muß ohne spastische Mitbewegung ausgeführt werden, sie darf den Patienten nicht unter- aber auch nicht überfordern, wird eine selektive Bewegung oder eine komplette Muskelkette therapiert? So kann individuell mit der jeweiligen Tagesform des Patienten zielgerichtet gearbeitet werden. Nachdem vom Therapeuten die für den Patienten günstigste Einstellung festgelegt wurde, beginnt die EMG-getriggerte Stimulation. Der Patient leitet jetzt mit seiner vorhandenen Kraft eine Bewegung aktiv in die jeweils angestrebte Richtung ein. Hat er den vorgegebenen Schwellenwert erreicht, setzt Stimulationsstrom ein, der die begonnene Bewegung möglichst endgradig und korrekt vollführt. Da der Patient über aktive Befehle eine Bewegung begonnen hat und der Stimulationsstrom zum für ihn günstigsten Zeitpunkt eingesetzt hat, bekommt das Gehirn nun über die afferenten Bahnen die Mitteilung, daß die Bewegung erfolgreich war. Im Gegensatz zu den sonst negativen Rückmeldungen, bedingt durch einschießende Spastik, oder Bewegungsunfähigkeit, erfolgen jetzt positive Rückmeldungen. Durch die ständige Wiederholung bilden sich im Gehirn neue Synapsen, so daß andere Teile des Gehirns die verlorengegangenen Funktionen der abgestorbenen Gehirnzellen übernehmen. Dies ist ein Lernprozeß für das Gehirn, der jederzeit wieder abgerufen werden kann. Einmal neu erworbene Bewegungen bleiben, wie unsere Erfahrung bis jetzt durch urlaubbedingte Pausen bzw. Rehamaßnahmen der Patienten zeigen, erhalten. Nach jeder Übung muß der Patient eine bestimmte Entspannung erreichen, die über die Meßelektrode weitergegeben wird. Das Gerät zeigt ihm hierzu in Zahlen an, wie er sich der 0 nähert. Diese 0 sollte der Patient gezielt halten können, um dann eine erneute Bewegung zu beginnen. Dadurch lernt er, seine Spastik aktiv zu beeinflussen, und durch Konzentration und Entspannung zu hemmen. Erst dann kann er einen neuen Impuls anfordern. Dies verhindert, daß der Patient aus einem spastischen Muster heraus eine Bewegung versucht. Zum Abschluß der Behandlung zeigt der PeR-Y-Rehabilator® an, wieviel Versuche und Ergebnisse der Patient geschafft hat, wobei jede Bewegung, die 50 % des eingestellten Schwellenwertes erreichte, als Versuch gezählt wird. Zu den Behandlungen werden Karteikarten geführt, in denen der komplette Behandlungsablauf sowie alle Merkmale der Behandlung dokumentiert werden. Patienten, bei denen entweder kein Eigenpotential an der erforderlichen Muskulatur gemessen werden kann oder deren Eigenpotentiale so gering sind, daß sie nach wenigen Bewegungen erschöpft sind, werden über die Fernbedienung behandelt. Hierzu holt man den fehlenden Impuls von der nicht betroffenen Seite. Der Patient löst dazu den Stimulationsstrom mit der gleichen Bewegung aus, die an der betroffenen Seite erwünscht wird, der dann über den kontralateralen Reflexbogen die betroffene Seite innerviert. Über die ständige symmetrische Wiederholung bilden sich an der betroffenen Seite Eigenpotentiale, die dann wieder für eine direkte Behandlung genutzt werden können. Der Zeitpunkt bis sich Eigenpotentiale bilden, ist vom jeweiligen Patienten abhängig. In der Regel dauert es zwischen 5 und 15 Behandlungen. In den meisten Fällen liegen zwar genügend Eigenpotentiale vor, jedoch können somit auch Patienten behandelt werden, die an einer schweren schlaffen Lähmung ohne Eigenpotential oder an einer stark spastischen Lähmung, die eine Bewegung entgegen dem spastischen Muster unmöglich macht, behandelt werden. Diese Art der Fernbedienung ist weltweit einzigartig. Therapiert werden: Unterarm, Oberarm, Unterschenkel und Oberschenkel, je nach Behandlungsbedürftigkeit. Die jeweiligen Therapiemöglichkeiten werden nach und nach zu einer kompletten Behandlung kombiniert, um den Patienten nicht zu überfordern und zielgerichtet an die Therapie heranzuführen. In den ersten Behandlungen wird ein Anfangsbefund erstellt, der die vorhandenen Defizite des Patienten aufzeigt. Der Therapieverlauf wird daraufhin abgestimmt. Die Behandlung der einzelnen Extremitäten kann sowohl auf selektive Bewegungen wie auch auf komplette Bewegungsmuster ausgelegt sein. Da die Problematik des Apoplex- patienten zumeist mit Bewegungsrichtungsverlust, Bewegungseinschränkung, fehlender Kontrolle über die Spastik sowie gleichzeitigem Verlust der Kontrolle über mehrere Gelenke in einer Bewegung einhergeht, zielt auch die Therapie mit dem PeR-Y- Rehabilator® individuell darauf ab. Zielsetzung ist in jedem Fall, eigene Bewegungsmöglichkeiten auszubauen, dem Patienten dadurch sowohl einzelne Bewegungen zu ermöglichen, wie auch die komplexen Bewegungsmuster, die z.B. zu einer Greifbewegung bzw. Schrittfolge nötig sind, mittels EMG-getriggerter Stimulation wiederzuerlernen. NCT wird unterstützt vom 50 plus verlag |